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Wasenmeister,
Scharfrichter und Chirurgen | Ende
eines Scharfrichters
Vom traurigen Ende eines
ehemaligen Scharfrichters
von Annette Grünewald
Saarländische Familienkunde
Jahrg. IX / 1976 - Heft 34
Neubearbeitung: Kai P. Bauer
Im katholischen Kirchenbuch der Pfarrei
Bettingen, das im Standesamt Schmelz verwahrt wird, ist eine Eintragung
vom 18. Oktober 1766 zu finden, nach der an diesem Tage fromm und mit
den Sterbesakramenten versehen verschieden ist der ehrsame bettelarme
Mann und Witwer Johannes Jacobus Nagel, stammend aus
dem kurtrierischem Land, d.h. aus Starkenburg bei Trarbach.
Er wurde am folgenden Tage in Bettingen beerdigt. Als Zeuge machte sein
Handzeichen der Sohn des Verstorbenen Georg Nagel, gebürtig aus "Niederhoven".
Die Sterbeeintragung ist in mehr als einer Hinsicht seltsam. Zunächst
gehörte Starkenburg im 18. Jahrhundert nicht zu Kurtrier, sondern
zum Oberamt Trarbach der Hinteren Grafschaft Sponheim, die zum weitaus
größeren Teil das neue Bekenntnis angenommen hatte.
Die ganz wenigen Katholiken von Starkenburg wurden, als öffentliche
katholische Religionsausübung im Jahre 1685 dort wieder möglich
wurde, von den Franziskaner-Rekollekten in dem vier Kilometer entfernt
an der Mosel gelegenen Dorf Enkirch betreut.
Zudem erhebt sich die Frage, inwieweit ein in Starkenburg geborener Nagel
ehrsam sein konnte, waren doch alle in Starkenburg festzustellenden Träger
des Namens Nagel als Angehörige von Scharfrichter -und Wasenmeistersippen
"unehrlich"; sie galten als ehrlos und konnten z.B. nicht Angehörige
einer Zunft sein.
Es lohnte sich also, nach einer Erklärung für die zweifelhafte
Sterbeeintragung zu forschen. Dass eine solche gefunden wurde, dürften
die folgenden Ausführungen zeigen.
Die unehrliche Sippe Nagel war 1622 von Koblenz aus nach
Hambach nördlich von Birkenfeld gekommen, wo Meister Hans Thonges
mit dem Amt eines Scharfrichters und Wasenmeisters der Hinteren Grafschaft
Sponheim belehnt worden war.
Hans Thonges aber war in dem von
Kurköln an Katzenelnbogen verpfändeten Städtchen Rhens
geboren und im Jahre 1597 dort evangelisch getauft worden. Als seine Eltern
die Scharfrichterstelle in Koblenz erlangten, finden wir sie mehrfach
im katholischen Kirchenbuch von Koblenz-Liebfrauen aufgeführt.
Ein Nachfahr des genannten Hans Thonges, Hans
Peter Nagel, heiratete am 18.05.1676 in Heiligenbösch, einem
ehemaligen Wallfahrtsort bei Schwollen nördlich von Birkenfeld, vor
dem evgl. Religionsdiener Anna Catharina, eine Tochter des Scharfrichters
Dorsch aus Sobernheim. Wo das Ehepaar in der Zeit von 1677 bis 1681 Kinder
hat taufen lassen, ist nicht aufgeklärt.
Hans Peter Nagel läßt
dann als Wasenmeister (Abdecker) von Talling bei Thalfang
drei Kinder taufen:
1.
Anna Margaretha, geb. 10.07.1682, get. 15.07.1682 in Thalfang. Das Kind
wurde als "Maria Margreth" am 19.07.1689 in Starkenburg beerdigt.
2.
Anna Barbara, geb. 24.02.1684.
3.
Anna Magdalena, geb. 25.07.1686.
Dann siedelte der Vater dieser Kinder mit seiner Frau Anna Katharina nach
Starkenburg über (Pfarrei für den evgl. Bevölkerungsteil:
Irmenach-Starkenburg).
Hier folgen höchst lückenhafte Taufeintragungen:
4.
Anna Christin, get. 28.02.1688;
5.
Lückenhafte Taufeintragung, aus der nicht einmal zu ersehen ist,
ob ein Sohn oder eine Tochter getauft wurde, am 09.061690. Paten sind
nicht angegeben. Es könnte sich um die am 20.06.1724 in Starkenburg
reformiert heiratende Maria Agnes Nagel handeln, die am 01.04.1758 in
Gemünden verstarb. Ihr Mann, Johann Lorenz Böckler, Nachrichter
in der Freiherrlichen Herrschaft Gemünden und Schmidtburg, war ein
Verwandter des "Schinderhannes".
6.
Notgetauftes Kind 1. Sonntag post Trin. 1693 (mitten im Mai); es wird
begraben am 07.07.1693 in Starkenburg.
7.
Lückenhafte Eintragung: Taufe am 16.05.1694 in Starkenburg.
8.
Maria Catharina, get. 24.02.1697 in Starkenburg.
9.
Söhnlein, get. Dominica Cantate 1700, gejachtauft = notgetauft. Da
das Kind nicht alsbald verstirbt, ist die Eintragung vermutlich auf den
am 18.10.1766 in Bettingen versterbenden Johannes Jacobus Nagel zu beziehen,
da weder das evgl. Kirchenbuch von Irmenach-Starkenburg noch das katholische
Kirchenbuch von Enkirch in diesen Jahrzehnten von der Geburt oder Taufe
eines Johannes Jacobus Nagel berichten.
10.
Töchterchen, getauft am 29.06.1704 in Starkenburg, in der Kirche
(Kapelle) zu Starkenburg am 07.08.1707 beerdigt.
In Starkenburg wohnten auch "unehrliche" Katholiken des Namens
Nagel, die mit den evgl. Nagel daselbst auf einen Stammvater zurückgehen.
Als Vater unseres Johann Jacob könnte auch
in Frage kommen der Meister auf Starkenburg Hans Adam Nagel,
der am 14.01.1688 in Berglicht katholisch heiratete und seine zahlreiche
Nachkommenschaft zuerst in Heinzerath, dann in Enkirch taufen ließ.
Unter seinen Kindern befindet sich aber kein Johann Jacob, obwohl in der
Zeit vom 29.03.1688 bis zum 12.08.1705 durchschnittlich alle zwei Jahre,
wie bei unehrlichen Leuten damals üblich, ein Kind getauft wurde.
Außerdem sprechen gegen Johann Jacob Nagels Abstammung von einem
katholischen Nagel die Angaben der evangelischen Kirchenbücher von
Altenkirchen.
Johann Jakob Nagel wandert nämlich aus. Am 20.07.1723 heiratete er
in Altenkirchen im Westerwald vor dem lutherischen Religionsdiener Anna
Margretha, die Tochter des Scharfrichters in Kirchen Hans Martin Molter,
dann daselbst am 02.02.1731 Maria Catharina, die reformierte Tochter des
Scharfrichters Koch in Raubach vor dem reformierten Geistlichen.
Maria Catharina stirbt nach dem reformierten Kirchenbuch von Altenkirchen
am 03.06.1742; sie wird am 05.06.1742 beerdigt.
Dass ihr Witwer Johann Jacob Nagel der Sohn des evangelischen Nachrichters
Johann Peter Nagel von Starkenburg ist, ergibt sich aus der Heiratseintragung
vom 20.07.1723.
Aus der ersten Ehe hatte Johann Jacob Nagel
drei in den Jahren 1724, 1726 und 1728 geborene Söhne; Johann Wilhelm,
Johann Ernst und Johann Theis.
In der zweiten Ehe werden ihm von 1731 bis 1742
drei Töchter und vier Söhne geboren, von denen der älteste,
der am 03.03.1734 geborene Johann Georg Wilhelm Nagel heißt. Bei
ihm handelt es sich um den in Niederhofen beheimateten Sohn Georg, der
bei der Beerdigung des Vaters Johann Jacob anwesend war.
Niederhofen, ein ganz katholischer Ort, gehörte zur Pfarrei Scheuern,
von 1751 bis 1782 aber zur Pfarrei Thalexweiler.
In deren Taufbuch finden wir, daß die Eheleute Georg Nagel und Margarethe
geb. Speltz aus Niederhofen am 12.04.1765 einen Sohn Wilhelm, am 25.03.1768
eine Tochter Margarethe und am 09.07.1770 einen Sohn Johannes taufen lassen.
Die Eheleute Georg Nagel, unstet wie Georgs Vater, verziehen dann von
Niederhofen.
Am 09.01.1775 wohnen sie in Otzenhausen. An diesem Tage wird ihnen in
Nonnweiler ein Sohn Johannes getauft. Unehrlich klingende Namen finden
sich bei den Paten der Kinder nicht.
Es ergeben sich aber noch weitere Ungereimtheiten:
Der ältere Bruder Johann Peter des Hans Jacob Nagel, der in der unaufgeklärten
Zeit von 1677 bis 1681 geboren sein dürfte, heiratete nämlich
am 20.09.1703 im Dom zu Frankfurt am Main Catharina, die Tochter der verstorbenen
und zweifellos katholischen Scharfrichtereheleute Diedrich Nagel und Margaretha
aus Montabaur.
Und der zweiteheliche Sohn von Johann Jacob Nagel selbst, der am 26.05.1740
in Altenkirchen geborene und am 27.05. reformiert getaufte Johann Joseph
(in der Taufeintragung: Johann Jost) Nagel heiratet am 19.06.1775 in Koblenz-Liebfrauen
katholisch die Barbara Morschbach, Tochter der Wasenmeistereheleute Peter
Morschbach und Ann geb. Lux aus Niederbieber bei Neuwied.
Der trauende katholische Geistliche vermerkte bei der Taufeintragung,
beide Brautleute seien Kinder von Henkern gewesen.
Zwanzig Jahre später, am 14.10.1795, wird dem Ehepaar in Segendorf
ein Sohn Johann Wilhelm Nagel geboren, der evangelisch
und, vor der Firmung "sub condicione" katholisch getauft wird.
Er geht am 14.03.1808 in Irlich am Rhein zur ersten Kommunion. Er heiratet
am 14.03.1817 in Segendorf vor dem evangelischen Religionsdiener, wird
aber am 26.04.1849 in Irlich katholisch beerdigt.
Bei der Heirat seiner Eltern am 19.06.1775 vermerkt der katholische Geistliche,
der Verlobte Joseph Nagel aus Altenkirchen sei "ob
famulatum parochianus noster"; der Verlobte war also im Jahre 1775
Wasenknecht in Koblenz.
Aus welchen Gründen auf seine Zugehörigkeit zur katholischen
Konfession geschlossen wurde, sagt die Heiratseintragung nicht. Die Angelegenheit
ist umso mysteriöser, als der Vater der Verlobten, Peter
Morschbach, wegen seiner katholischen Konfession aus dem Amt
als Wasenmeister zu Segendorf im Wiedischen im Jahre 1765 entlassen worden
war (Kurtrier. Kammerprotokolle von 1765 - St.A. Koblenz Abt. 1 C Nr.
10 642, § 602 - und Abt. 1 C Nr. 10 643, § 658).
Peter Morschbach erhält das Kurfürstliche Patent als Wasenmeister
und Nachrichter, das nach Ableben des Wasenmeisters in St. Wendel vakant
geworden war ( 10.04.1765), tritt die Stelle aber offenbar nicht an.
Bezeichnend für die schlechte wirtschaftliche Qualität der Stelle
in St. Wendel ist der Begleitbericht der Kammer:
Zufolge Auszugs des protocolli vom 21.08.1760 habe
zwar Wasenmeister Jacob Hoppe von Trassem Patent erhalten gegen Erbieten
von 6 rthlr pro canone und 70 rthlr pro laudemio. Er habe die 70 rthlr
aber nicht aufbringen können und habe sich daher verloren. Ebenso
habe Caspar Gülich, so 50 rthlr erboten, auf die an ihn gerichtete
Zuschrift nichts mehr von sich hören lassen. Da nun Supplicant Morschbach
30 rthlr pro laudemio mändlich erboten habe, sich jedoch wegen der
Schlechtigkeit des Wasums zu keinem canone verstehen wolle, werde die
Entscheidung anheimgestellt.
In dem Patent vom 10.04.1765 wird die vakante Stelle in St. Wendel dem
Peter Morschbach und zwar Wasum und Nachrichterei, ohne Erwähnung
von Laudemium und Kanon, übertragen; er sieht aber ein, dass die
Stelle eine Familie nicht ernähren könne. Es sei hier bemerkt,
daß Laudemium die Gebühr für die Übertragung des
Wasens, Kanon die jährlich zu leistende Abgabe ist.
Noch nach 1780 saß in Segendorf, jetzt Niederbieber-Segendorf bei
Neuwied, ein Wasenmeister namens Joh. Görg Morßbach, der katholisch
war und seine zweite Ehe am 21.09.1773 in der katholischen Kirche von
Irlich schloss.
Kehren wir nunmehr zu dem früheren Wasenmeister und Nachrichter
von Altenkirchen Johann Jacob Nagel zurück, der noch am
31.05.1742 ein Söhnchen taufen ließ und am 18.10.1766 in Bettingen
bettelarm verstarb.
Seine zweite Frau Maria Catharina geb. Koch ist kurz nach der Geburt ihres
jüngsten Kindes am 03.06.1742 in Altenkirchen verstorben und dort
am 05.06.1742 beerdigt worden.
Das bisher mitgeteilte Wechseln der Konfession bei den Angehörigen
der Sippe lässt sich nicht mit der altbekannten Erwägung rechtfertigen,
dass unehrliche Leute sehr oft unter den Geistlichen der verschiedenen
Konfessionen wechselten und sich an den ihnen Bequemsten zu wenden pflegten.
Hier lag der Fall völlig anders, wie wir aus
den Akten St.A. Koblenz Abt. 30 (Grafschaft Sayn-Altenkirchen) Nr. 3780
und 3781 erfahren.
Hans Jacob Nagel ist von Altenkirchen "ausgerückt", vermutlich
unter Mitnahme seiner Schwägerin, der Schwester seiner im Juni 1742
verstorbenen Frau.
In einem Bericht vom 22.07.1743 heißt es:
Der bisherige Nachrichter
und Wasenmeister Nagel allhier in Altenkirchen hat vor kurzem um Dispensation,
seiner verstorbenen Frauen leibliche Schwester, des Nachrichters Koch
zu Raubach Tochter, heiraten dürfen, Ansuchung getan. Da die Eltern
des Mensch mit der Heirat durchaus nicht einverstanden waren, hat man
ihm aufgetragen, das Mensch aus dem Haus zu entfernen. Darauf hat er sich
mit ihr bei Nacht und Nebel fortgemacht und seine fünf noch unerzogenen
armen Kinder sitzen lassen. Deren mütterlicher Großvater, der
schon gedachte (reformierte) Nachrichter Koch zu Raubach, muss die Kinder
jetzt mit alimentieren und erziehen. Er hat gebeten, seinem Sohn Franz
Koch, welcher des Nachrichters Willtraut von Daaden Tochter, lutherischer
Religion, zur Ehe hat, die Wasenmeisterei gegen jährlich drei rthlr
zu übertragen, da er dann die Kinder seines Vorgängers bei sich
behalten könne.
Die herrschaftliche Regierung, die zu Onolzbach
saß, entsprach dem Gesuch am 30.07.1743.
Franz Koch, also der frühere
Schwager des Johann Jacob Nagel, gibt als nunmehriger
Wasenmeister in Altenkirchen, in einem Gesuch vom 22. Juni 1747 an, er
habe bei Eintritt des Altenkirchener Wasens vier verlassene unerzogene
Kinder von dem "verlaufenen" Wasenmeister Nagel mit übernehmen
müssen, so dass er fünf eigene und vier fremde, im ganzen also
neun Kinder zu ernähren habe.
In dem Gesuch, das an das Saynsche Administrationsratskollegium
in Ansbach gerichtet ist, bittet er, weil er sonst keine Subsistenz haben
könne, es bei den bisherigen Sätzen zu belassen und seinen Kanon
nicht zu erhöhen. Wenn es noch einer weiteren Darlegung bedürfte,
so gibt sie ein Aktenvermerk vom 05.08.1743: Nachrichter und Wasenmeister
Jacob Nagel in Altenkirchen sei im Jahre 1743 mit seiner verstorbenen
Frauen Schwester entwichen.
Am 22.07.1743 sei der Befehl gekommen, dem Sohn
des Nachrichters Koch zu Raubach namens Franz Koch die Wasenmeisterei
gegen die offerierten Bedingungen und in Ansehung der Kochischen Kinder
zu übertragen. 
Damit ist das Rätsel gelöst.
Wasenmeister Johann Jakob Nagel hat sich unter Zurücklassung
seiner noch unmündigen Kinder im Jahre 1743 von Altenkirchen entfernt
und ist in einem rein katholischen Gebiet "untergetaucht", wo
man ihn sicher nicht suchte. Es ist wohl anzunehmen, dass er die Schwägerin,
mit der er geflüchtet ist, alsbald, im Zweifel katholisch, geheiratet
hat; denn von 1743 bis etwa 20 Jahre danach wird er nicht ledig geblieben
sein. So ist es zu erklären, dass er, nachdem ihn auch seine dritte
Frau durch Tod verlassen hatte, laut kath. Kirchenbuch von Wadern am 18.09.1764
dort als Johannes Jacobus Nagel "aus Starkenburg bei Trarbach"
wohl in vierter Ehe die Maria Elisabeth, Witwe von Johannes Falck, "paupera
in parochia nostra", heiratete. Zwei Jahr später, am 18.10.1766,
ist er in Bettingen verstorben.
Sein zweitehelicher Sohn Georg bewegte sich, wie
wir gesehen haben, mindestens seit 1765 örtlich nicht allzu weit
von den Aufenthaltsorten seines Vaters entfernt.
Es ist wohl zu vermuten, dass der Vater spätestens,
nachdem er mit der Heirat seiner bisherigen Schwägerin vollendete
Tatsachen außerhalb der Sayn-Altenkirchenschen Landesgrenze geschaffen
hatte, sich um seine in Altenkirchen verbliebenen Kinder gekümmert
und später seinen Sohn Georg veranlasst hat, sich ins linksrheinische
Gebiet zu begeben. Vieles deutet darauf hin, dass sie sich anfangs der
sechziger Jahre in das Hochwaldvorland geschlagen haben. Beide werden
die "Unehrlichkeit" stillschweigend abgestreift haben; Nagel-Vater
ist "ehrlich" und als "frommer Katholik" - so die
Sterbeeintragung - gestorben.
Kritische Leser werden vielleicht entgegenhalten, es fehle, nachdem Hans
Jacob Nagel in der ersten Hälfte des Jahren 1743 "rückte",
doch wohl die völlige Klarheit; historische Feststellungen seien
weitgehend durch Mutmaßungen ersetzt. Ihnen sei entgegengehalten:
In den fleißigen Auszügen und Zusammenstellungen von Wendelinus
Stoll aus dem katholischen Kirchenbuch von Oberkirchen findet sich der
Name "Nagel" nur einmal: Maria Katharina Nagel, Tochter des
Jakob Nagel und Elisabeth Burckholz aus "Gundesweiler", jetzt
Gonnesweiler über Türkismühle, damals Filial von Neunkirchen/
Nahe, jetzt selbständige katholische Pfarrei, verstirbt am 25.05.1777
in Oberkirchen.
Im Neunkircher kath. Kirchenbuch
aber finden wir folgende verblüffende Heiratseintragung, die aus
der lateinischen Sprache übersetzt und verkürzt hier wiedergegeben
werden soll:
Nach der Durchführung der erforderlichen Verkündigungen
hier und durch den Herrn Pastor in Castel gingen am 09.06.1772 in Neunkirchen
die Ehe ein Jacob, ehelicher Sohn von Jacob Nagel, verstorben, und von
Maria Magdalena Koch, Eheleute aus Braunhausen, und die ehrenhafte Jungfrau
Elisabetha Burckholtz, Tochter der in Gonnesweiler ansässigen Eheleute
Christoph Burckholtz und Anna Maria Severin.
Die Geburt oder Taufe des Verlobten Jacob Nagel
ist leider in dem ungewöhnlich schlecht geführten Kirchenbuch
der damaligen Großpfarrei Kastel nicht zu finden.
Für unsere Zwecke ist dies auch zu verschmerzen:
denn die Heiratsurkunde ergibt mit völliger Sicherheit, dass der
bisher behandelte Hans Jacob Nagel, Witwer von Maria Catharina Koch (+
03.06.1742 in Altenkirchen), eine weitere eheliche Verbindung eingegangen
ist mit der Schwester seiner verstorbenen Frau, Maria Magdalena Koch,
mit der er 1743 von Altenkirchen "gerückt" war.
Ob die ursprünglich reformierte Maria Magdalena
Koch förmlich zum Katholizismus übergetreten ist, und ob die
dritte Ehe des Hans Jacob Nagel überhaupt vor einem katholischen
Religionsdiener geschlossen worden ist, mag dahinstehen; nach dem damaligen
kath. Kirchenrecht galt das Tridentinum nur an den Orten, an denen es
verkündet worden war; die Nupturienten konnten sich an anderen Orten,
an denen im alten Deutschen Reich kein Mangel war, auch ohne Beisein eines
Geistlichen das Sakrament der Ehe spenden.
Nachdem die Eheschließung eines Sohnes dritter Ehe des (Hans) Jacob
Nagel gefunden ist, sei zum Abschluss noch folgendes mitgeteilt:
Aus der Ehe von Jacob Nagel mit Elisabeth Burckholtz
gehen noch in Gonnesweiler hervor:
1.
am 08.04.1773 eine Tochter Anna Catharina, deren Paten der ledige Peter
Simon aus Gonnesweiler und Anna Catharina Walter geborene Nagel, jetzt
in Gonnesweiler verweilend, waren,
2.
am 19.03.1777 eine Tochter Catharina, die, wie schon mitgeteilt, am 25.05.1777
in Oberkirchen starb. Bei der Geburts- und Taufeintragung der zweiten
Tochter bezeichnete der Geistliche die Eltern als vagabundi, nach heutigem
Sprachgebrauch als "ohne festen Wohnsitz". Die Richtigkeit dieser
Feststellung zeigt sich auch an einer weiteren Taufeintragung, die im
kath. Kirchenbuch von Thalexweiler zu finden ist.
3.
Am 14.07.1781 wird in Thalexweiler getauft Anna, Tochter von Jacob Nagel,
vagus in Steinbach, und von Elisabetha Burckholtz. Paten waren Anna Schun
und Mathias Kuhn, beide aus Steinbach.
Wohin die Kindeseltern dann gezogen sind, ist nicht
bekannt und kann auch dahingestellt bleiben. Das Ergebnis der Forschungen
ist eindeutig folgendes:
(Hans) Jacob Nagel der
Ältere geht 1743 auf die Wanderschaft; er betreibt kein
"unehrliches" Gewerbe mehr. Wahrscheinlich ist er niemals förmlich
"ehrlich" gemacht worden. Er heiratet in vierter Ehe eine arme,
aber nicht unehrliche Witwe Falck, und auch in der Ehe seines Sohnes aus
dritter Ehe mit dem "Mensch" Maria Magdalena geb. Koch finden
wir keine "Unehrlichen" mehr. Auch die Paten, die oben wiedergegeben
sind, tragen keine unehrliche Namen.
So haben Jacob Nagel sen. wie Jacob Nagel jun. nichts
mehr mit einem anrüchigen Gewerbe zu tun; sie gelten als ehrlich,
aber auch als "vagabundi".
Von Wasenmeistern, Scharfrichtern
und Chirurgen in der Hinteren Grafschaft Sponheim....(Hier)
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